Smartphones im Vergleich – oder: Wie ich zu meinem HTC Desire HD kam (Teil 1)

Apple_Nokia_GoogleWohl kaum eine Sache habe ich mir in letzter Zeit so lange und reichhaltig überlegt wie den Kauf eines neuen Handys. Natürlich hatte ich mir schon gewisse Rahmenvorstellungen gemacht, aber die Details standen noch nicht fest.

Im Folgenden möchte ich zunächst auf die Anforderungen eingehen, die ein modernes Smartphone meiner Meinung nach erfüllen muss. Daran anschließend werde ich dann meine Vergleichstour im Internet und in Elektromärkten schildern. Den zweiten Teil des Artikels, den ich in Kürze veröffentlichen werde, widme ich dann meinem neuen Smartphone – dem HTC Desire HD (oft auch kurz DHD genannt).

Vergleich: Apple – Nokia – Android

Ich bin nicht wirklich religiös, aber ich wollte kein iPhone. Liegt vielleicht daran, dass wir in der Uni mit einer Fallstudie zum iPhone gequält wurden und davon ist man was das Thema angeht genervt fürs Leben.  Um mich kurz zum Aussehen zu äußern, auch wenn das natürlich nur meinen subjektiven Geschmack wieder spiegelt: Mir gefällt das iPhone4 nicht wirklich, ich sehe es nicht als elegant an. Hinzu kommt, dass es technische Mängel aufweist, die bei einem Gerät dieser Preisklasse und einer Firma, die sich mit hoher Qualität rühmt, nicht auftreten sollten.
Um aber noch objektive Gründe gegen das iPhone anzuführen:

  • Hoher Preis
  • kratzerempfindliches Display
  • geringere Anzahl kostenloser Apps (im Vergleich zu Android)
  • Datenkabel (kein Micro-USB-Kabel, sonder Apple-Standard)

Wer sich davon nicht abgeschreckt fühlt und keine notorische Ablehnung gegen Apple verspürt, der möge ein iPhone gerne in Betracht ziehen. Ich kann niemandem, der über die nötigen Mittel verfügt, vom Kauf abraten, zuraten kann ich allerdings genauso wenig – zu beidem fehlt mir das nötige Wissen.

Das Nokia N8 hatte sich ein Freund von mir einen Monat vorher zugelegt. Also genug Zeit zum Spielen und Testen. Auch ich hatte es in der Hand und vom Aussehen ist es durchaus schick. Vom Format her liegt es angenehm in der Hand, das Display ist gut lesbar und die Sprachqualität ist auch gut. Hier ist also schonmal kein K.O.-Kriterium zu finden. Symbian^3 hat ein paar schöne Seiten – mein Freund selbst findet es gut zu bedienen und ist zufrieden, aber das ist ja immer subjektiv. Wer schon früher ein Fan von Nokia war, wird sich eventuell besser zurecht finden. Kann ich nicht richtig beurteilen, mein letztes Nokia war ein 3310 (oder 3330?).
Kritikwürdig finde ich an Symbian in erster Linie die Menüführung, auch wenn man bei Smartphones eventuell weniger von einer Menüführung sprechen kann, als bei konventionellen Handys. Eine interessante Idee an Symbian fand ich zuerst, das man Apps, Kontakte und einige Funktionen in Ordnern ablegen kann – dann ist mir aber aufgefallen, dass das Android mit Android auch möglich ist. Was mir dann aber direkt negativ aufgefallen ist, ist dass Symbian maximal 3 Desktops/Home Screens hat, während z.B. Android auf dem HTC Desire HD standardmäßig 7 Desktops bietet. Die 3 Desktops des N8 schienen mir dazu weniger Informationen zu bieten und nicht so schön anpassbar zu sein, wie die eines Androiden. Auf der größeren Anzahl von Desktops, die Android bietet, lassen sich mehr Funktionen unterbringen, insbesondere Widgets. Hinzu kommt, dass der Android Market deutlich mehr und qualitativ bessere Apps umfasst als der Ovi-Store von Nokia. Meiner Ansicht nach ist auch für die (nähere) Zukunft nichts gegenteiliges zu erwarten.
Naja, ums kurz zu machen, schick ist das N8 schon, auch ein schönes Format von der Größe her, aber begeistert hats mich nicht, insbesondere weil Android deutlich mehr Funktionen bietet. Um die Hardware noch kurz zu beleuchten: Das N8 kann gut punkten mit einer 12MP-Kamera mit Zeiss-Objektiv und Xenon-Blitz, zusätzlicher Frontkamera für Videotelefonie und HDMI-Anschluss. Außerdem ist standardmäßig eine Navi-Software aufgespielt, die nicht auf mobiles Internet angewiesen ist. Solche Software müsste man bei vielen mir bekannten Androiden erst aufspielen, je nach Ansprüchen auch kaufen. Das Desire HD ist eine mir bekannte Ausnahme, hier sind Karten für Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz vorinstalliert, allerdings ist die Navigation mit diesen erst nach Erwerb einer Lizenz freigeschaltet. Da ich mittlerweile ein HTC Desire HD besitze, ziehe ich einfach mal den Vergleich damit. Das DHD liegt was den Prozessor und RAM angeht deutlich vor dem N8. Hiermit punktet HTC. Multimedia-Fans sind eventuell mit dem N8 besser beraten als mit dem DHD. Je nach Ansprüchen, welches Betriebssystem man gern hätte, könnte dann aber auch z.B. das Samsung S I9000 eine gute Wahl sein. Eine Tendenz, wie sich der Markt rund um die Smartphone-Betriebssystem zukünftig entwickelt, findet ihr übrigens hier.
An dieser Stelle möchte ich keine endgültige Empfehlung abgeben. Aus meinem bald folgenden Erfahrungsbericht zum Desire HD mögen dann einige Leser eher schöpfen können, ob das DHD für ihre Ansprüche und Anforderungen das Richtige ist.

Bisher habe ich also 2 größere Plattformen aus meiner Entscheidung gekegelt. Von Windows Phone 7 hatte ich zwar schon mal gehört, aber als "Halbinformatiker" war ich skeptisch. Ich lasse mich zwar eher ungern von (TV-)Werbung beeinflussen, aber die Fernsehwerbung von Windows Phone 7 hat mich nicht überzeugt. Beim großen Elektromarkt mit dem Planentenlogo in Mannheim konnte ich mich mit einem gut gelaunten Vertreter für Windows Phones unterhalten, der mir trotz meiner im Grunde schon gefallenen Entscheidung zu Android trotzdem die Vorzüge von Windows Phone 7 näher bringen wollte. Kurz gesagt: Man hat ein Office-Paket und wohl eine ziemlich gute Integration desselben in seine Desktop-Umgebung am Windows-PC. Das war für mich kein ausschlaggebender Punkt, da ich tendenziell wenig auf Office-Produkte angewiesen bin. Abgesehen davon arbeite ich sowohl mit Windows als auch Linux, von einer auf Linux basierenden Plattform erhoffte ich mir mehr Integration von beiden Systemen. Also Android.

Handypreis

Prinzipiell bin ich kein Freund der Devise "Je mehr ich bezahle, desto mehr Leistung bekomme ich auch", aber was Smartphones angeht, ist diese Aussage aber tendenziell richtig. Was den Preis betrifft, spielen folgende Aspekte eine große Rolle:

  • wo man kauft – je nach Händler können die Preise bis zu 3x höher sein als wo anders
  • ob man sich an einen Vertrag bindet – tendenziell bekommt man bei Bindung an einen Vertrag mit Mindestlaufzeit das Gerät günstiger
  • ob man sofort bezahlt oder in Raten – Ratenzahlung ist üblicherweise teurer, auch hier sind mittlere bis große Preisunterschiede häufig
  • welches Gerät bzw. welche Hardware – scheinbar kleine Unterschiede, wie z.B. etwas mehr RAM oder ein etwas schnellerer Prozessor können Preisunterschiede von 100 bis 200€ ausmachen. Lasst euch hierzu am besten ein paar Funktionen auf den Geräten vorführen (das geht z.B. im Planeten-Laden gut)

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie man für einen erfolgreichen Kauf ansetzen kann. Entweder man überlegt sich zuerst, welchen Tarif man in Zukunft haben möchte oder man wählt zuerst das Gerät. Beides parallel zu überlegen ist auch möglich, kostet in der Regel jedoch deutlich  mehr Zeit. Ich habe meinen Fokus darauf gelegt, mir zuerst den Tarif auszusuchen, der zu jedem meiner Wunschgeräte gepasst hätte. Anschließend habe ich nach Angeboten gesucht um diesen Tarif mit dem möglichst besten Gerät meiner Wunschliste so preisgünstig wie möglich zu bekommen. Meine Erwartung war jedoch zu jedem Zeitpunkt, dass mir das Eingehen eines Vertrages einen erheblichen Preisnachlass beim Kauf des Handys ermöglichen würde. Diese Haltung würde ich auch jedem empfehlen, andernfalls bezahlt ihr mit großer Sicherheit zu viel. Besonders wichtig: Verlasst euch nicht auf die Aussagen einzelner Händler oder Websites was Preise angeht. Insbesondere die Handypreise der Mobilfunkanbieter selbst waren oft um mehr als 100% höher als die Angebote, die ich andernorts bekommen habe.

Meine Preisvergleiche habe ich unter folgenden Kriterien durchgeführt:

  • Handypreis maximal 300€
  • gleichzeitiges eingehen eines Vertrags kein Problem, da ich mit dem Smartphone zusammen auch den passenden Vertrag mit mobilem Internet wollte (mein aktueller "Prepaid-Vertrag" wäre erweiterbar gewesen)
  • Hersteller eigentlich egal
  • möglichst moderne Hardware
  • gutes Softwareangebot (Apps), insb. Skype, IRC, Fernsteuerungssoftware für Foobar 2000 (mein Mediaplayer am PC) und SSH sollte möglich sein
Die Vergleichs(tor)tour

Wer kennt das nicht. Man sucht tagelang im Internet nach Angeboten, denn es gibt ja kaum was ärgerlicheres als hinterher von irgendwem zu hören: Bei XY hättest du genau das Gleiche 100€ billiger bekommen. Ich war mir relativ sicher, dass ich mit meinem Handy einen Vertrag haben will (bisher war ich immer Prepaid-Nutzer). Der Grund dafür ist ganz einfach, dass man in der Regel mit einem Smartphone ab und zu im Internet surfen möchte bzw. E-Mails empfangen will. Der Traffic dafür kann ohne den entsprechenden Vertrag ziemlich schnell hohe Kosten verursachen. Eine Alternative zum Vertrag ist die Option, die bei vielen Prepaid-Anbietern mittlerweile verfügbar ist: Für ca. 10€ pro Monat kann man eine Internet-Flat buchen. Da man dann jedoch keinen Vertrag hat, muss man das Handy zum vollen Preis kaufen. Hier gilt es also Kosten und Nutzen abzuwägen. Da dies für jeden individuell anders ist, kann ich hier keine Empfehlung abgeben, außer: Analysiert euer Handy-Nutzungsverhalten und schätzt euer zukünftiges Surfverhalten mit dem Handy. Im Grunde stand ich am Anfang meiner Recherchen zu Android-Phones bei Null, ich wusste weder genau welches Handy, noch welcher Tarif.
Also suchte ich und in meiner engeren Auswahl – die ich ja schon auf Android beschränkt habe – waren folgenden Kandidaten:

Zunächst einmal sind das ja alles Smartphones mit z.T. völlig unterschiedlichen Eigenschaften. Das Desire Z hat eine Hardware-Tastatur, klarer Vorteil beim Tippen von größeren Texten, wenn man nicht drauf verzichten kann/will. Bei diesem, wie auch allen anderen Handys, die man aufschieben oder –klappen kann, habe ich aber immer meine Bedenken was die Elektronik am Schiebemechanismus angeht. Außerdem will ich nicht wissen was passiert, wenn in so nen Schiebemechanismus mal irgendwie Sand oder Staub kommt… Davon abgesehen waren mir der bessere Prozessor, das größere Display und der größere RAM des Desire HD zum gleichen Geld wichtiger.
Kommen wir nun zum S I9000. Ich weiß grad nicht mehr so ganz, warum ich mich dagegen entschieden habe. Das Kunststoffgehäuse des I9000 mag ein Grund gewesen sein, von der Leistung her nehmen sich das I9000 und Desire HD im Grunde nichts. Wer auf einen TV-Ausgang am Handy nicht verzichten will, sollte sich das I9000 anschauen. Im Grunde wars am Ende eine Geschmacks- bzw. Bauchentscheidung, in der das Galaxy S I9000 rausgeflogen ist. Da sich niemand ohne Weiteres auf meinen Geschmack verlassen sollte, empfehle ich die Lektüre von Rezensionen des Galaxy S I900, z.B. auf amazon.de.
Bleibt das Motorola und das war auch lange Zeit mein Favorit. Ein Smartphone mit zertifiziertem Schutz gegen Spritzwasser, Staub und Kratzer – klingt ja erstmal genial. Auch aussehen tuts nicht schlecht, etwas klein schien es mir vielleicht, aber das hätte gepasst. Hier war auch einer meiner Zweifel am Desire HD geweckt, das ist nämlich ziemlich groß. Die Hardware des Defy ist okay, Details entnehmt bitte dem oben verlinkten Datenblatt bzw. der offiziellen Homepage. Dorn im Auge am Defy war mir aber, dass ich es hätte rooten müssen, um Motoblur loszuwerden und/oder um jetzt schon auf Android 2.2 upzudaten. Wen es nicht stört, dass Motorola ihm einen signierten Bootloader und eine Anpassung von Android aufzwingt, der möge sich gern fürs Defy entscheiden. Da das Rooten aber Garantieverlust bedeutet, war damit auch das Defy für mich tot. Wer den Ankündigungen glaubt, dass das Update zu Froyo in Q1 oder Q2 von 2011 kommt und so viel Zeit hat, kann es natürlich auch kaufen und warten. Motoblur wird man damit aber immernoch nicht los. Dennoch hat das Defy ein ziemlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, wer also für ein beschränktes Budget ein etwas robusteres Smartphone sucht, sollte das Defy in Erwägung ziehen. Für alles Weitere empfehle ich wiederum Erfahrungsberichte bei amazon.

Der Kauf

Ich hatte mich nach langem Hinundher entschieden, es sollte das HTC Desire HD werden. Das Problem war jetzt ein anderes: Ich hatte auch schon den Tarif gefunden, den ich gern haben wollte (ohne dafür werben zu wollen: o2 Blue 100). Übrigens: Beim Tarifvergleich empfehle ich eine Machete, es gibt einen riesigen Dschungel von Angeboten.
Jetzt war ich aber sehr enttäuscht, denn weder im Internet noch im o2-Laden wollten sie mir das Handy mit diesem Vertrag zu einem Preis in meinem Rahmen von etwa 300€ überlassen, im Gegenteil, das Angebot von o2 war: 600€ auf 24 Monate verteilt und nochmal 20€ pro Monat für den Vertrag (zum Vergleich: Das Desire HD kostete zu dem Zeitpunkt ~490€ bei amazon). Da hab ich mir gedacht: Die haben doch nicht mehr alle Zacken in der Krone. Spaß bei Seite. Ich war auf Seiten wie Handyschotte, Telefontreff und weiß sonst wo noch. Gute Angebote habe ich dabei gefunden, aber ich wollte das Handy doch noch mal in der Hand haben und andere zum Vergleich sehen. Ich bin halt Skeptiker.
Also bin ich wieder in den Planeten-Laden gepilgert, dieses mal allerdings in Frankfurt (dort ist der größte Laden der geil-Kette). Gute Voraussetzungen zum Gucken, Einkäufe tätige ich dort normalerweise weniger gern. Allerdings war ich überrascht (und auch misstrauisch), denn die konnten mir das Desire HD mit dem gewünschten Vertrag zum Preis von 199€ anbieten. Kein SIM-/Net-Lock, sauberer Deal. Selbst die im o2-Laden zwei Stockwerke tiefer sagten mir, den Preis könnten sie mir keinesfalls bieten und bei den Konditionen würden sie sogar selbst hochgehen und nen Vertrag abschließen (ich wette, dass sie es nicht getan haben, aber egal). 
Meine Zweifel waren aber immernoch nicht gebannt. Also hab ich mich mit Timo kurzgeschlossen, der mir berichtete, dass Bekannte und Freunde von ihm mit dem Desire HD hoch zufrieden seien und die Community von HTC großartig sei. Das reichte mir jetzt und das Desire HD war mein. Ja, ich habe tatsächlich in einem der Läden mit geil-Motto und pseudo-cooler TV-Werbung etwas gekauft. So weit ich weiß, war dies aber ein vorübergehendes Angebot, dennoch könnt ihr natürlich versuchen dort oder auch wo anders ähnliche oder bessere Konditionen auszuhandeln. Das war nämlich auch ein großer Punkt den ich bei dieser Vergleichstour gelernt habe: Mit Verhandeln kann man was rausholen.

Abschluss

Meine Erfahrungen mit dem Desire HD werde ich demnächst in einem separaten Artikel veröffentlichen, diesen werde ich hier dann auch verlinken. Bis dahin hoffe ich, dass ich euch mit meinem Artikel helfen konnte, auch wenn dieses Mal die wirtschaftlichen Kriterien des Handykaufs die technischen Aspekte überwogen haben. Dies wird sich in meinem Erfahrungsbericht genau umkehren.
Über Kommentare zu diesem Artikel freue ich mich natürlich.