Raspberry Pi – Erste Schritte und Erfahrungen

Raspberry Pi

 

Einige von euch werden schonmal vom RaspberryPi gehört haben. Für die, die damit nichts anfangen können: Es handelt sich im Grunde um einen Miniaturcomputer mit einem ARM-Prozessor.
In diesem Artikel möchte ich die ersten Schritte mit meinem Raspberry Pi (kurz: Raspi) dokumentieren. Ich möchte gerne so weit vorne wie möglich anfangen mit den Ausführungen.

Gerade für jene, die zukünftig noch ihr Raspberry Pi erhalten, soll dies als eine Art Anleitung bzw. Hilfestellung dienen, um ohne Probleme zu starten. Wer direkt loslegen will, kann die nächsten 2 Abschnitte überspringen.

Was das Raspberry Pi ist und was nicht

Das Raspi ist ein Minicomputer (genauer: SoC) mit einem Broadcom BCM2835 Chip und 256 MB RAM. Damit ist es leistungsfähig genug für Linux inklusive grafischer Oberfläche (z.B. LXDE) und ist in der Lage HD Videomaterial abzuspielen. Für Windows ist es allerdings ungeeignet. Der Gedanke hinter dem Raspberry Pi war es, ein Ultra Low-Cost System mit geringer Leistungsaufnahme zu entwickeln, dass es möglich macht programmieren zu lernen. Mehr Details zu alledem gibt es auf der englischsprachigen Website der Raspberry Pi Foundation.

Was man braucht

Wie auf dem Bild zu sehen, hat das Raspi keine Festplatte. Stattdessen benötigt man eine SD-Karte mit mindestens 2 GB Speicherplatz (für Bootsystem und Daten). Darüber hinaus gehört zur Minimalausstattung eine Stromversorgung über Micro-USB (üblicherweise z.B. ein Ladegerät für Smartphones mit mind. 700mAh Output). Eine USB-Tastatur kann auch nicht schaden (obwohl die meisten Systeme für das Raspi SSH mitbringen). Aber ich möchte mich ungern mit der nötigen Hardware aufhalten, darüber gibt es genügend Informationen in der offiziellen FAQ.

Erste Schritte/Versuche

1. Aufsetzen/Installation von ArchlinuxARM
2. Beheben einiger Probleme (Troubleshooting)

1. Aufsetzen/Installation von ArchlinuxARM

Erforderlich: PC mit Linux, SD-Karte (mind. 2GB, keine microSD mit Adapter), ArchlinuxARM Image (hier: Version vom 29.04.2012, zu finden hier). Der Prozess für Windows wird hier nicht beschrieben.

Zunächst einmal lädt man das Image herunter und entpackt das Zip-Archiv. In diesem Archiv befindet sich eine .img-Datei. Diese gilt es nun auf die SD-Karte zu bringen.
Wichtig: Die .img-Datei einfach auf eine SD-Karte zu kopieren, ist nicht zielführend!
Stattdessen muss das Image per dd auf die Karte "gedumpt" werden.
Vorsicht: Der folgende Vorgang zerstört alle auf der SD-Karte vorhanden Daten. Wird ein falsches Zielmedium auswählt, kann dies Datenverlust zur Folge haben.
Bei mir ist die SD-Karte /dev/mmcblk0, die Partionen darauf werden entsprechend als /dev/mmcblk0pX bezeichnet (X ist eine Zahl). Wichtig ist, das als output (of) nicht eine Partion auf der Karte, sondern die Karte selbst gewählt wird (s.u.). Indem man vor und nach einlegen der SD-Karte df ausführt, kann man sehen, welches Gerät neu hinzu gekommen ist, dies sollte die SD-Karte sein. Zum Schreiben vom Image sollte die Karte nicht gemounted sein (prüfen mit mount, ggf. unmounten mit # umount.

# dd bs=1M if=/Pfad/zum/Image of=/dev/mmcblk0

Dieser Vorgang wird einen Moment dauern, danach ist die SD-Karte im Grund einsatzbereit. Wenn ihr sie in euer Raspberry Pi einlegt und das Stromkabel anschließt, sollte Archlinux ARM booten. Das verwendete Image hat jedoch einige kleinere Fehler, die zu Problemen führen können. Lösungen werden im nächsten Abschnitt vorgestellt.

2. Beheben einiger Probleme (Troubleshooting)

Es gibt wohl einige (bekannte) Probleme mit dem Image, was hier verwendet wird. Allerdings ist es das neueste, was aktuell zur Verfügung steht, also gilt es die Probleme selbst zu beseitigen. Diese Probleme sind unabhängig von dem bisher beschriebenen Prozess.

  • Problem: Der angeschlossene Bildschirm bleibt schwarz.
    • Lösung: Per SSH einloggen – sofern möglich – und auf /boot/config.txt umbenennen oder löschen. Alternativ Stromversorgung vom Raspi trennen, SD-Karte an anderen PC einlegen und die config.txt auf der kleineren Partition löschen (das ist die FAT-Partition).
  • Problem: Am Bildschirmrand bleibt auf allen Seiten ein zu großer schwarzer Rand.
    • Lösung: # nano /boot/config.txt und disable_overscan=1 eintragen. Mehr Details zur /boot/config.txt gibt es hier.
  • Problem: Das System bootet überhaupt nicht oder sehr langsam (>10 Minuten bis zum Login, dieser reagiert so gut wie gar nicht) oder ähnliches.
    • Lösung: Firmware-Update. SD-Karte am PC einlegen.
      An beliebiger Stelle (z.B. im Homeverzeichnis): git clone git://github.com/raspberrypi/firmware.git
      ausführen. Bentötigt git. Damit wird die aktuellste Firmware heruntergeladen. Im entstandenen Ordner firmware befindet sich ein Ordner boot. Den Inhalt davon, bis auf COPYING und LICENSE auf die kleine FAT-Partition der SD-Karte kopieren (vorhandene Dateien überschreiben). Danach die SD-Karte am PC sicher entfernen (unmounten, etc.), wieder ins Raspi einlegen und booten. Nachtrag vom 27.06.2012: Wie ich jetzt weiß, ist das nicht der richtige Weg für ein Firmware-Update, hat aber bei mir funktioniert. Der einfachste Weg ist es, den Firmware-Updater von Hexxeh zu verwenden. Eine Anleitung dazu gibt es hier.
  • Problem: Ich habe eine SD-Karte mit x GB aber mir wird nur ein Bruchteil davon bereit gestellt!
    • Lösung: Am einfachsten ist dieses "Problem" zu beheben, indem man die SD-Karte an einem PC einlegt und die Datenpartition vergrößert. Dazu startet man gparted und vergrößert die Datenpartition (nicht die kleine FAT-Patition, sondern die größere ext-formatierte). Gparted benötigt root-Rechte.
Wie gehts weiter?

Dieser Artikel soll nur der Beginn einer Serie über das Raspi sein. Ich plane einen Artikel über die grundlegende Einrichtung des eben installierten Systems inkl. Setup der grafischen Oberfläche Openbox. Außerdem würde ich ArchlinuxARM vergleichen mit Debian fürs Raspi (Raspbian) und ggf. auch Fedora für ARM.
Wenn ihr (andere) Wünsche, Ideen oder Anregungen habt, worüber ich schreiben soll, wäre ich dankbar für Kommentare.

4 Antworten

  1. Frank
    Veröffentlicht am 31. Dezember 2012 um 11:06 | Permalink

    Warum „keine microSD mit Adapter“? Habe ich sonst nirgendwo gelesen.

  2. Andy
    Veröffentlicht am 8. April 2013 um 12:59 | Permalink

    Wie sieht es denn mit Multimedia Anwendungen aus?
    Kann ich z.B. einen BlueRay Player einbinden und über das Raspi steuern?

  3. Veröffentlicht am 8. Juli 2013 um 10:15 | Permalink

    Schöner Beitrag. Vielleicht darf ich noch kurz erwähnen, dass ich den Raspberry Pi ideal als Telefonanlage finde. Er ist klein, energiesparend und kann im Dauerbetrieb wunderbar betrieben werden: http://www.kammerath.net/asterisk-virtuelle-telefonanlage.html

    Viele Grüße, Jan

  4. Jan
    Veröffentlicht am 23. Juli 2013 um 09:22 | Permalink

    Hab auch mal mein Tutorial dazu geschrieben:
    http://www.kammerath.net/raspberry-pi-arch-linux.html

    Ergänzend muss ich jedoch sagen, dass ich finde, dass Arch eher für Fortgeschrittene geeignet ist. Mit den Rolling Releases muss man sich schon dran gewöhnen häufiger mal riskantere Updates durchzuführen. So richtig kann ich mich als langjähriger Linuxer auch noch nicht an das Verfahren gewöhnen :)

    Dennoch bleibt Arch bei mir für Raspi die erste Wahl!